text

Ausgangspunkt vieler Arbeiten der Berliner Künstlerin sind Natureindrücke, denen sie in aufwändigen und sensiblen Druckgrafiken oder Aquarellen Ausdruck verleiht. Dabei sind immer wieder Parallelverbindungen zu anderen Künsten wie Literatur und Musik zu beobachten. Diese verschiedenen Welten treffen in von ihr gefertigten Künstlerbüchern kongenial aufeinander und regen zum intensiven Schauen und Erleben ein.

Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat die Künstlerin mit Erzgebirge eine Kaltnadelradierung ausgewählt. Diese Technik, bei der mit der Radiernadel ohne Einsatz von Säure Vertiefungen in die Zink- oder Kupferplatte eingebracht werden, fasziniert durch ihre Direktheit und Reduktion. Katja Lang verzichtet konsequenterweise auch im Druck auf den effektvollen Einsatz von Farbe, wodurch sie den Betrachter in genau die Stille und Unaufgeregtheit versetzt, welche einer Schneelandschaft eigen ist.

Jannine Koch, Kuratorin der Ausstellung 36. Leipziger Grafikbörse im Kunstverein Duisburg

 

Obschon uns in Langs Oeuvre der Gegenstand, die Landschaft, das Gegenüber deutlich entgegentreten, erhebt die Künstlerin die Leere, ja den Abstand, der sich zwischen Rezipient und Arbeit, ihr selbst und dem Sujet auftut, zum Bildgegenstand. In den hier gezeigten grünblauen Radierungen, aber auch in anderen Arbeiten ihres Portfolios, etabliert sie die schwer fassbare Dimension der Atmosphäre, des Vakuums zwischen den Gegenständen, die zuweilen wie im Nebelschleier als Plattenton oder bewusst ungestaltete Fläche des Papiergrundes in der Radierung aufscheint. Atmosphäre wird zum autonomen Sujet und führt zur Offenlegung unserer eigenen Wahrnehmung.

Katharina Arlt in der Laudatio zu Von Angesicht zu Angesicht in der Galerie drei der Dresdner Sezession e.V. im Dezember 2020

 

Die Verbindung der Sprache nicht nur zum Bild, sondern auch zur Musik scheint keine geringe Faszination auf diese Künstlerin auszuüben. Zugleich machen die Blätter ihre künstlerisch wie handwerklich ausgeprägte Begabung deutlich. Die Radierung – auch eine von Thomas Ranft bevorzugte Drucktechnik – erfordert nicht nur hohes zeichnerisches Vermögen, sondern vom Beschichten über das Ätzen bis ggf. zum Andrucken auch Handfertigkeit und Geschick. Über beides verfügt Katja Lang in hohem Maße. Im Zulassen von zufällig sich ergebenden Werkspuren und bewussten, kontrollierten Eingriffen, in der Spannung von technisch Möglichem und gezielt Erreichtem zeigen die Altenberg-Blätter eine große künstlerische Bandbreite.  

Mit Thomas Ranft und Katja Lang präsentiert die Galerie Borssenanger zwei Künstler unterschiedlicher Generation. Beide kultivieren die subtile Form, beide arbeiten mit behutsamen Gesten im kleinen Format. Auf jeweils eigene Weise schaffen sie Bildwelten, die vielfältige Verbindungen in die Kunst- und Kulturgeschichte aufweisen, die in Vergangenes verknüpft – und für experimentell zu Eroberndes offen sind. Verwechseln kann man ihre Handschriften nicht, vergleichen ihre Herangehensweisen sehr wohl. Dazu bietet uns diese Ausstellung beste Gelegenheit. 

Brigitta Milde zur Ausstellungseröffnung am 3.2.2017 in der Galerie Borssenanger, Katja Lang + Thomas Ranft | Weltall – Erde – Mensch | Zeichnung und Grafik

 

Ganz im Gegenteil, die Literatur ist in diesen Blättern Anlass, sich von der Sprache abzulösen und in ein anderes Fluidum hinüberzuwechseln. Ich sage bewusst Fluidum, denn das Fließende ist hier immer der bevorzugte Aggregatzustand; Sprache fließt in diesen Arbeiten, sie steht nicht fest auf dem Papier, Gedanken fließen, Gefühle ergießen sich … Die schmalen Formate, die – vertikal oder (meist) horizontal – für die Druckgrafik gewählt worden sind, unterstreichen diesen Eindruck. Der Übergang von einem Element in das nächste ist ein immer wiederkehrendes Motiv in den Arbeiten von Katja Lang.

…Ausstülpung, Ausschüttung, Ausgießung, Streuung … Wucherung und Verschwendung sind Begriffe, die mir zum Bild der Natur bei Katja Lang einfallen. Dazu kommt meist eine rhythmische, wellenförmige Bewegtheit, und oft gibt es eine Wasseroberfläche. Natur ist hier weniger, wie der Gemeinplatz lautet, Harmonie, als vielmehr Gelassenheit, aber auch die pure Verschwendung von allem, der Überfluss. Dem korrespondiert eine ähnliche Haltung im Duktus der Künstlerin.

Hans Brinkmann zur Ausstellungseröffnung: Katja Lang, Neue Arbeiten, Gesundheitszentrum Rosenhof am 25.2.2010